Schmerztherapie ohne Medikamente und Operationen



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Zusammenfassung des Teils Schmerztherapie

der Webseite www.Holistische-Medizin.info (Stand 8/2003)

 

 

 

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Schmerztherapie

Sollte es gelingen, Rücken- und Kopfschmerzen gänzlich zu vermeiden, könnte unser Gesundheitssystem nach Quellen der Bundesregierung um ca. 17,5 Mrd. Euro pro Jahr entlastet werden. Unter diesen Schmerzen litten im Jahr 2002 ca. jeweils 50 % aller Männer und Frauen, viele davon chronisch.

Jedoch scheinen wir von einer wirkungsvollen Schmerzbehandlung weit entfernt zu sein, denn die Zahl der Schmerzpatienten steigt beständig (Arbeitsunfähigkeit aufgrund Rückenschmerzen 1998-2002 + 17 %).

Eine Aussicht auf Besserung besteht nur dann, wenn das Phänomen Schmerz komplett neu verstanden wird. Stattdessen sieht die neue Approbationsordnung unserer Mediziner künftig eine weitgehende Ausklammerung der Schmerztherapie vor.

Um hier einen Umdenkprozess einzuläuten, werden auf dieser Webseite Erklärungen gegeben, wie Schmerz verstanden werden kann und welche erfolgreichen, alternativen Möglichkeiten einer ursächlichen Behandlung sich bieten. Sicherlich wird auch dieser Ansatz dem Anspruch auf allumfassende Betrachtung nicht vollständig gerecht. Er zeigt jedoch einen möglichen Weg in die richtige Richtung auf.

Inwieweit den meisten Betroffenen geholfen werden kann, wird sich zeigen, wenn die Bereitschaft besteht, die Therapien und Behandlungskonzepte zu ersetzen, die nachweislich nicht funktionieren oder den Patienten in eine medikamentöse Dauerbehandlung führen.

Viele Schmerzpatienten werden aus eigener Erfahrung wissen, dass die bislang angewandte Therapie oftmals wirkungslos oder mit starken Nebenwirkungen verbunden ist.

Packi Methode

Durch eine Empfehlung in dem Bandscheibenforum Lumed wurde ich auf den Freiburger Arzt Walter Packi aufmerksam. Im nachfolgenden nenne ich seine Thesen die Packi Methode, sind die meisten seiner Erkenntnisse doch revolutionär und meist noch unbekannt.
Dieser Arzt hat in den letzten Jahren eine Behandlungsmethode aus den
Thesen von Brügger weiterentwickelt, die bei vielen chronischen Schmerzpatienten sehr erfolgreich ist. Umfangreiche Informationen hierzu findet man auf der Webseite Biokinematik.de, die zum tieferen Verständnis der Zusammenhänge sehr empfehlenswert ist. Insbesondere die Unterteilung in exogen (von aussen) und endogen (im Körper selbst) verursachte Schmerzen sollte beachtet werden.

Seine Grundüberlegung besteht darin, dass Schmerz prinzipiell bewegungsabhängig ist.
Betroffene stellen in der Regel selbst fest, dass sich die Schmerzen durch Bewegung verstärken lassen und sich in Ruhe abschwächen.

Wenn also eine bestimmte Bewegung den Schmerz verursacht, muss man fragen, welche Störung im Bewegungsablauf diesen Schmerz auslöst. Hierbei kommt den Muskeln die tragende Hauptrolle zu, denn diese sind letztendlich das bewegungsverursachende Element im Körper. Durch die Atmung und den Ruhetonus der Muskulatur ist eine Bewegung prinzipiell immer gegeben.

Störungen der Muskeln bzw. einzelner Muskelfasern können vielfältiger Natur sein, häufig bedingt durch:

- Unfalltraumen mit Überdehnungen
- Einseitige Muskelbeanspruchungen über Jahre hinweg (Sitzen, Büroalltag)
- Einseitiges, verkürzendes Muskelaufbautraining / Bodybuilding

Hier durch wird das Zusammenspiel der Muskeln zueinander (Agonist / Antagonist) gestört, es kommt zu einer Fehlfunktion der Bewegungsgeometrie in den Muskeln bzw. einzelnen Muskelfasern, vereinfacht vergleichbar mit Sand im Getriebe.

Eine Schmerztherapie wird somit zu einer Therapie an den Muskeln, um die natürliche Beweglichkeit wiederherzustellen und das Zusammenspiel der verschiedenen Muskelgruppen wieder zu synchronisieren.

Nach Walter Packi funktioniert diese Therapie nicht nur bei naheliegenden Schmerzcharakteristiken wie Hexenschuss und Knieschmerzen, sondern auch insbesondere bei Migräne bzw. Schmerzproblemen jeglicher Art wie u.a. der Fibromyalgie. Diagnostisch auszuschliessen sind vorab Infektionen und Erkrankungen, die Einfluss auf das Muskelgewebe und die Bewegungs- koordination haben, wie beispielsweise Borreliose, echtes Rheuma oder Multiple Sklerose.

In der Praxis beginnt die Therapie mit einer ausführlichen Anamnese, bei der die gestörten Muskeln identifiziert werden. Durch geeignete Maßnahmen wird in diese Muskelgruppen ein Reiz (Physiotherapie, manuelle Therapie, 1% Scandicain-Injektionen) gesetzt, der einen Selbstregulationsvorgang im Körper auslöst. Der Körper baut sich hierdurch dann beispielsweise innerhalb weniger Tage so um, dass die harmonische Beweglichkeit wieder hergestellt wird.

Im Einzelfall kann die Therapie über Wochen hinweg sehr langwierig sein, wenn der therapeutische Zugang zu den entsprechenden Muskeln anatomisch schwierig ist oder die Muskulatur über Jahre extrem einseitig trainiert wurde (Sportler/Bodybuilder). Ausgangspunkt der Behandlung ist jedoch immer das Setzen eines Schwellenreizes, der den Körper selbst zum Umbauprozess antreibt.

Man könnte es auch mit "Hilfe zur Selbsthilfe" umschreiben, ein behandelter Patient wird durch das entwickelte Körperbewusstsein in der Regel für immer in die Lage versetzt, seine eventuell auftretenden Schmerzen mit wenigen Übungen selbst wegzutherapieren.

Das Setzen eines entsprechenden Reizes bedeutet für den Patienten anfangs häufig eine extreme Konfrontation mit dem Schmerz. Durch physiotherapeutisch begleitete Körperübungen bewegt man sich in den Maximalschmerz hinein und versucht dann die entsprechende Muskelkette in ihrer Maximallänge durch Anspannung gegen einen äusseren Widerstand (Therapeut) zu überreizen.

Die Überbelastung im Sinne eines Schwellenreizes wird hierbei von Rezeptoren im Körper wahrgenommen, an das Gehirn weitergeleitet und mündet anschließend in entsprechende, selbstregulative Umbau-/Anpassungsprozesse. Diese führen nach entsprechender Zeit, die vom Ausmaß der Bewegungsstörung abhängig ist (Tage, Wochen, Monate), zuerst zur Schmerzfreiheit und im weiteren Verlauf zur weiteren Verbesserung der Beweglichkeit. Hierdurch wird dem Entstehen eines neuerlichen, ähnlichen Schmerzgeschehens die Grundlage entzogen. Der Patient ist wirklich geheilt und nicht nur symptomfrei, wie z.B. nach Schmerzmittelgabe.

In diesem Zusammenhang wichtig: Nach praktischen Erfahrungen ist diese Form der Therapie über die Selbstregulation des Körpers unmöglich, solange Schmerzmittel genommen werden, die in das zentralnervöse System eingreifen, hierzu gehören z.B. Tramal und andere Morphiumderivate. Für den Schmerzpatienten bedeutet dies leider häufig einen Gewissenskonflikt, stellt doch die Konfrontation mit dem Schmerz eine große Hürde dar. Unter der Rubrik Erfahrungen soll eine Hilfe angeboten werden, die eine Entscheidung erleichtert.

Ein wesentliches Hauptargument für diesen Therapieansatz ist das praktisch nicht vorhandene Risiko - verbunden mit einer großen Chance – ganz im Gegensatz zu den weitreichenden Folgen einer Operation. Leider wird letztere von den Krankenkassen bezahlt, während die Behandlung nach Walter Packi derzeit meist nur von den Privatkassen übernommen wird.

Man sollte sich aber nicht vorschnell für eine Operation entscheiden – denn eine im Extremfall eintretende Berufsunfähigkeit – die im übrigen nicht wirklich selten erscheint - dürfte für den einzelnen Patienten mit einem Vielfachen der Kosten verbunden sein. Zudem wird durch eine Operation (Versteifungen, Entfernen von Knochen) das Zusammenspiel der Muskeln oftmals so gestört, dass eine Heilung mit den heutigen Mitteln unmöglich werden kann.

Die Begründung, warum entgegen der schulmedizinischen Theorie bei Schmerzen die Psyche, Nerven, Degeneration und vieles andere meist als Ursache auszuschließen sind, findet sich ebenfalls auf der Webseite des
Instituts für Biokinematik.

Packi Methode - Übungen

Hier werden in Kürze verschiedene Übungen beschrieben, um die natürliche Beweglichkeit wieder zu erlangen. Bis dahin wurde eine Grafik der Hauptübung Rückneigung zur Vermeidung von Rückenschmerzen und Ischialgien hinterlegt.

Bitte beachten Sie, dass aus haftungsrechtlichen Gründen diese Übungen nur von körperlich Gesunden zur Prophylaxe auf eigene Gefahr durchgeführt werden sollten. Obwohl es prinzipiell auch diese Übungen sind, die Menschen mit Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen bei Walter Packi in der Klinik nach einiger Zeit Schmerzfreiheit bringen, werden sie hier ausdrücklich nicht zur Eigentherapie empfohlen, da jeder Schmerzvorgang individuell betrachtet werden sollte. Dies gilt insbesondere, falls Sie bereits in dem Bereich operiert wurden. Diese Personengruppe sollte diese Übungen nur nach Rücksprache mit einem Arzt durchführen bzw. sich ein eventuelles Verbot sachlich erklären lassen.

Körperlich Gesunde sollten selbst bewerten, ob diese langsam und aufmerksam durchgeführten Übungen über einen starken Muskelkater hinausgehend körperlichen Schaden verursachen können. Dies scheint wenig wahrscheinlich, ein Restrisiko ist aber - wie immer im Leben - nicht auszuschliessen.

1) Übungsanweisung für die Rückneigung (Reklination)

Schmerzen werden durch Bewegung ausgelöst. Bewegung wird durch Muskeln verursacht. Schmerzen entstehen, wenn die Bewegungseigenschaften von Muskeln gestört sind. Muskeln sind trainierbar. Am besten sind lange dünne Muskeln.
Bei Bandscheibenbeschwerden sind regelmäßig die vorderen Beckenmuskeln kurz und unbeweglich (Sitzhaltung). Die Wirbelsäulenbeweglichkeit im Verhältnis zum Bein ist verlorengegangen.

Zum Ausgleich ist folgende Übung angezeigt:

Wenn im Rücken ein Abbrechgefühl, Stauchungsgefühl oder Schmerz wahrgenommen wird, zeigt dies an, dass Sie es richtig gemacht haben. Keine Angst, es ist bei dieser Bewegung noch niemand auseinandergebrochen. Diese Übung jeweils nur wenige Sekunden, dafür häufiger am Tag durchführen.

Wenn Sie beim Rückneigen zu starke Schmerzen verspüren, dann können Sie anfangs die Situation erleichtern, indem Sie sich mit dem Kreuzbein irgendwo anlehnen und sozusagen mit halber Kraft üben. Hier besteht jedoch die Gefahr, dass Sie sich versehentlich dehnen, statt die Muskelketten zu aktivieren. Dehnen (Stretching) ist keine Muskeltechnik und vergrößert die Schwierigkeiten.

Für die Schmerzfreiheit ist ein Rückneigewinkel von mindestens 45 Grad (Winkel zwischen Oberschenkelachse und Wirbelsäulenachse) notwendig. Insgesamt sollten Sie ebensoweit rückwärtsneigen können, wie Sie nach vorne mit gerader Wirbelsäule bücken können. Erfolge sind nach 4-6 Tagen zu erwarten.

Wenn diese Übung wegen allzu großer Schmerzen nicht durchgeführt werden kann, dann muss die verantwortliche Muskelgruppe vorweg direkt therapiert werden, damit die eigene Übungsfähigkeit zustande kommt.

Warnung: diese Rückneigebewegung wird in der klassischen Physiotherapie/Orthopädie üblicherweise verboten. Damit bleibt man dann jedoch Dauerpatient. Wer weniger als 45 Grad rückneigen kann, muss mit Kreuzschmerzen rechnen. (Quelle: Walter Packi)

 

Bild 1: Idealtypische Beweglichkeit (bei Kindern die Regel)

Bild 2: Übungsanweisung Rückneigung

Der wichtige Gegendruck auf das Brustbein durch eine Assistenzperson erleichtert die richtige Übungsdurchführung und verhindert ein versehentliches Dehnen !

 

Fragen / Antworten

  1. Wie ist ein Muskel aufgebaut?
  2. Ein Muskel besteht aus vielen einzelnen Muskelfasern. Jede Faser ist aus vielen kleinen Getriebeelementen aufgebaut (Sarkomeren), welche die Bewegung durchführen. Im Training kann jeweils nur der gesamte Muskel trainiert werden, nie eine einzelne Muskelfaser selbst.

  3. Wie sollte ein (quergestreifter) Muskel beschaffen sein?

  4. Alle Muskeln arbeiten in Muskelketten zusammen, die auch als solche auf der Gesamtlänge ausreichend kräftig trainiert werden sollten. Diese Muskelketten sind so stark wie ihre schwächsten Glieder, die häufig im Bereich der Finger-/Zehenmuskulatur zu suchen sind. Krafttraining bedeutet somit insbesondere die Kräftigung der am meisten vernachlässigten kleinen Muskeln. Bei Überbelastung tritt der Schmerz immer am stärksten Teil des Systems auf, beispielsweise im Bizeps / Trizeps oder Oberschenkel.

    Zudem müssen die Muskeln wie ein Getriebe auf der gesamten Bewegungsbahn geometrisch zu ihrem jeweiligen muskulären Gegenspieler passen und idealerweise in Ruhe weich und locker sein.

    Es ist interessant zu beobachten, wie viele Menschen sich im Sinne eines Schönheitsideals mit einer permanenten Anspannung der Bauchmuskulatur (Einziehen des Bauches) bewegen. Verbunden mit Bauchmuskeltraining entstehen hier typischerweise die ersten Probleme, die sich in Rückenschmerzen (Hexenschuss) äußern können.

    Dies ist kein Votum für "No Sports", dennoch sollte die Muskulatur besser in Länge trainiert werden. Dies geschieht am Besten durch natürliche Bewegung ohne Fitnessmaschinen. Besonders zu empfehlen ist (Barfuß-)Laufen, Rennen, Bergwandern etc. auf natürlichen, unebenen Untergründen.
    Mehr dazu findet sich unter der Rubrik
    Eigene Erfahrungen - Kräftigungstraining (MKT).

    3. Ist die Bandscheibe ein Stossdämpfer?

    Nein, denn aufgrund ihrer pysikalischen Eigenschaften leitet sie Stösse eher ungebremst weiter. Die Stossdämpfung erfolgt in Wirklichkeit durch Muskelanspannung, je nach Körperposition hauptsächlich im Fuß, dem angewinkelten Kniegelenk, sowie im S-förmigen Verlauf der Wirbelsäule. Hierdurch kann die Stossdämpfung auch wohldosiert und Bewegungen gezielt abgebremst werden. Eine passive Struktur wie die Bandscheibe kann dies nicht leisten und hat hingegen die wichtige Aufgabe, die Rumpf-/Kopfbewegung überhaupt erst zu ermöglichen und die Wirbelkörper in jeder Körperposition optimal als Einheit miteinander zu verbinden.

    Aus diesem Grund verfügen auch Fische über Bandscheiben. Der Sinn als Stossdämpfer ist im Wasser bei Schwerelosigkeit nicht gegeben.

  5. Kann die Bandscheibe selbst schmerzen?
  6. Nein.

    Die Bandscheibe selbst ist nicht mit dem Nervensystem verbunden. Eine Reizübermittlung an das Gehirn (Schmerz) kann durch sie somit nicht stattfinden. Entgegen der derzeitigen schulmedizinischen Auffassung ist die Bandscheibe nicht Auslöser, sondern Leidtragende der zugrundeliegenden muskulären Störung, die über Zugkräfte der hüftbeugenden Muskulatur den Vorfall oder die Vorwölbung verursacht.

    Auch eine Einengung des Nerven erscheint unwahrscheinlich, da ein Druck auf einen Nerv nirgendwo sonst im Körper Schmerzen an entlegenden Orten auslöst. Nur ein lokaler Druckschmerz oder nach Minuten eine schmerzlose Funktionslosigkeit des nerval versorgten Bereiches entsteht.

    Warum sollte es also ausgerechnet bei der Bandscheibe anders sein?

    Immerwährende Wiederholung macht die These der Nerveneinengung durch die Bandscheibe physikalisch nicht haltbarer. Einrisse im Faserring treten bereits bei Kindern auf, die über keine Schmerzen berichten.

    Konkret handelt es sich bei den Ursachen für den (lokal dort begrenzten) Bandscheiben-schaden ebenso wie den ausstrahlenden Schmerzen und Lähmungserscheinungen bis hinunter in die Zehen um geometrische (nicht kraftabhängige) Fehlfunktionen der vorderen wirbelsäulennahen Muskulatur. Diese Muskulatur führt die Relativbewegungen zwischen dem Bein und der unteren Wirbelsäule durch. Damit entspricht diese Muskulatur der funktionellen Mitte des Körpers. Ohne diese ist eine Bewegungsübertragung von der Wirbelsäule zum Bein nicht möglich. Sie ist bei der heutigen vornehmlich sitzenden Tätigkeit der modernen Menschen oft verkürzt und in schlechtem Trainingszustand. Bei einer verkürzten vorderen Wirbelsäulenmuskulatur werden die darunterliegenden Bandscheiben wegen des permanent (auch im Schlaf) wirkenden Muskelzuges nach hinten in Richtung Rückenmark verdrängt und verlagert (Bandscheibenschaden). Kommt zu der Verkürzung noch eine Asymmetrie der Binnenstruktur des Muskels hinzu, dann entstehen zusätzlich Schmerzen und ggf. Lähmungen. Die Ursache von Schmerzen und meist myogenen Lähmungen sind im funktionsgestörten Muskel zu suchen und nicht in den Bandscheiben, Nerven, Wirbelgelenken o.ä. . Verantwortlich für Schmerzen im lumbosakralen Bereich sind geometrische Fehlfunktionen in folgenden Muskeln: M.rectus abdominis, M.rectus femoris, M.adductor magnus, M.gluteus maximus pars femorale, M.gluteus maximus pars tibiale, M.iliacus und M.psoas.

  7. Was ist eine Blockade des Sakro-Iliakal Gelenks (ISG)?

Die Blockade des ISG ist keine Blockade der knöchernen Strukturen des ISG selbst. Sie ist eine muskuläre Störung, die in der Regel in der Hüftbeugemuskulatur zu suchen ist, deren Zusammenspiel gestört ist und die aus diesem Grund krampft bzw. hakt wie Sand im Getriebe.

Die Diagnose- und Therapieansätze rund um dieses Gelenk laufen aus diesem Grund ins Leere. Therapiert werden muss an der Muskulatur selbst, meist an der Bauchmuskulatur und / oder dem Muskel Ilio-Psoas.

In der Praxis kann man selbst ausprobieren, wie schnell die Beweglichkeit des Gelenks in der Regel wiederhergestellt ist, wenn man die Rückneigeübung von Walter Packi durchführt. Mit der Krampflösung im Bauchbereich kommt die Beweglickeit nach vorne und hinten augenblicklich zurück (Beispiel Hexenschuss mit verbundener ISG-Blockade). Eine Lösung der Blockade ist somit auch ohne chiropraktischen Eingriff möglich.

Das beispielsweise bei einer Körperübung oder einem chiropraktischen Eingriff oftmals hörbare Knacksen ist keine Berührung der Knochen untereinander, sondern durch ein "Zurücksetzen" der Struktur bedingt. Das Geräusch entsteht dann, wenn durch die schnelle Bewegung für einen Augenblick der Gelenkinnenraum erweitert wird und sich damit der Gelenkinnendruck vermindert.
Dieses Druckgefälle löst eine starke Diffusion der Gelenkflüssigkeit aus und wird damit hörbar. Es ist somit völlig unbedenklich und normal.

Chiropraktik verschafft oftmals Linderung, das gestörte Muskelzusammenspiel wird hierdurch jedoch nicht wirklich umtrainiert, so dass die Anfälligkeit für neuerliche Schmerzen erhalten bleibt. Dauerhafte Schmerzfreiheit wird deshalb in der Regel nicht von außen, sondern nur über aktives Muskeltraining und Vertiefung des eigenen Körperbewußtseins erreichbar sein.

6. Welche Fehlhaltung bringt der Büroalltag mit sich?

Beim Sitzen am Computer werden meist beide Arme aufgelegt, die Schultern hochgezogen und der Kopf nach vorne geschoben. Hierdurch wird der Hals abgewinkelt und verkürzt, der Schwerpunkt des Kopfes ruht damit auf dem Brustbein und nicht auf der Wirbelsäule. Die vordere Halsmuskulatur und Schultermuskulatur verkürzt. Hierdurch können im Laufe der Zeit insbesondere Migräne und Kopfschmerzen entstehen.

Das permanente Sitzen an sich bringt weitere muskuläre Probleme im Hüft-/Beckenbereich mit sich, die sich in Rückenschmerzen und Ischialgien äußern können. Im Extremfall kann sich über Jahre hinweg im Hüftgelenk durch Bewegungsmangel und der damit verbundenen dauerhaften Unterversorgung des Gelenkknorpels mit Nährstoffen eine Sitzarthrose bilden, die im Anfangsstadium meist reversibel ist.

Die Bandscheibe wird durch das permanente Sitzen ebenso belastet und wird nach hinten verlagert
(Bild).

7. Wie lange dauert die Behandlung einer muskulären Störung?

Dies ist stark vom Einzelfall abhängig. In Abhängigkeit von Unfällen oder der Dauer und Intensität eines vergangenen, einseitigen Muskeltrainings können es Tage, Wochen, selten auch Monate sein. Bei Bodybuildern oder Extremsportlern können es durchaus auch mehrere Monate sein.

Durch entsprechende Übungen, gegebenenfalls unter Anleitung eines erfahrenen Physiotherapeuten, müssen Umbaureize gesetzt werden, um die Muskulatur wieder frei beweglich, weich und auf Länge zu trainieren. Im Prinzip ist es wie Zwiebelschälen - eine Muskelschicht nach der anderen, bis man den Kern des Problems erreicht hat.

Entscheidend im Training ist nicht, Übungen mit Gewalt oder besonders häufig wie im Bodybuilding durchzuführen. Ziel ist es, durch eine Überbelastung des Muskels am Punkt der maximalen Länge, die zu Ermüdung führen kann, einen Schwellenreiz am Längenrezeptor (Golgi-Sehnen-Organ) zu setzen.

Dieser Reiz führt dann in den Tagen danach zu Umbauprozessen bzw. löst im Falle eines Muskelkrampfes die Blockade und damit den Schmerz sofort auf.

Letzteres ist ein Idealfall, der beispielsweise bei einem
Hexenschuss (Ischialgie) und der daran beteiligten Bauchmuskulatur sehr häufig erreichbar ist. Schmerzfreiheit tritt dann nach wenigen Minuten ein.

8. Was für ein Schmerz tritt nach den Übungen auf?

In der Regel tritt ein bis zwei Tage später ein starker bis sehr starker Muskelkater auf, der nach ca. drei Tagen wieder abklingt. Häufig verbunden mit einer Erstverschlimmerung der Beschwerden, ausgelöst durch die Umbauprozesse und der Neuabstimmung der Muskelgruppen wieder zueinander. Dies ist grundsätzlich eine gute Indikation, dass die Therapie anschlägt. Jeder Mensch ist individuell, so dass eine pauschale Aussage unmöglich erscheint.

Entgegen der allgemeinen Auffassung ist der Muskelkater keine Verletzung von Mikrofasern im eigentlichen Sinn. Die im Rahmen der Packi-Therapie durchgeführten Übungen werden bewusst langsam und ohne "Reißen" durchgeführt. Ausgelöst durch das "Längentraining" im Sinne einer isometrischen Kontraktion der Muskulatur müssen in den Tagen danach zusätzliche Moleküle eingebaut werden, wozu "Einrisse" in den Muskel-Elementen notwendig sind, die mikroskopisch sichtbar werden können.

Der Grund für den meist viel stärkeren Muskelkater als bei Fitnessübungen ist, dass hier Moleküle in Länge eingebaut werden und die betroffene Struktur deshalb besonders geschont werden sollte.
Während des Umbauprozesses sollte der Muskel nicht überbelastet werden. Um dies effektiv zu verhindern tritt ein Muskelschmerz auf, damit man dieses Areal bis zum Ende des Umbaus für ein paar Tage schont.

9. Welche Schmerzen können behandelt werden?

Prinzipiell ist diese Behandlung - da ursächlich - bei allen chronischen Schmerzen anwendbar, die nicht durch Infektionen (Borreliose,Multiple Sklerose etc.) bedingt sind. Letztere sind im Einzelfall vorab labordiagnostisch auszuschliessen.
Es versteht sich von selbst, dass Schmerzen, die Ihre Ursache in äußeren Einwirkungen haben, wie beispielsweise ein Messerstich, durch diese Therapie nur mittelbar beeinflussbar sind. Obwohl das Wirkprinzip der Schmerzentstehung durch die Veränderung der Bahngeometrie der Muskeln gleich ist, wird man in der Regel warten müssen bis die Schwellung / Verletzung verheilt ist.
Damit verschwindet der Schmerz in der Regel wieder von selbst.

Anders verhält es sich mit Schmerzen, die ohne äußerliche Ursache im Körper plötzlich entstehen und chronifizieren, wie häufig am Ellenbogen, Knie, Rücken oder insbesondere am Kopf (Migräne). Diese sind nach dem Freitrainieren der entsprechenden Muskeln in der Regel sehr gut therapierbar. Mit den individuellen Übungen hat der Betroffene auch selbst die Möglichkeit, zukünftigen Fehlentwicklungen entgegenzuwirken.

Entscheidend ist, die im Alltag regelmäßig vorkommenden Einseitigkeiten, die oft unvermeidlich sind, durch gegenläufige Übungen nicht zu einer Belastung werden zu lassen.

Schwierig zu behandeln sind Schmerzen, die z.B. durch Krebs im Körper entstehen. Da hier der Zugang zum Ursache-Wirkungs-Mechanismus über die Packi-Metode eher unwahrscheinlich erscheint, wird man in diesem Fall auch Schmerzmittel einsetzen müssen. Der Schmerz ist jedoch auch hier durch die vom Gehirn wahrgenommene Störung des Körperbaus hervorgerufen.


Sehr interessant scheint der derzeit untersuchte Zusammenhang, wodurch muskuläre Störungen auch Störungen in assoziierten Organen hervorrufen können. Hierdurch ergäbe sich eine noch
größere Relevanz dieser Therapie bei Krankheitsgeschehen. Es sind Fälle bekannt, in denen Einschränkungen des Hör- oder Seevermögens nach einer Therapie der Halsmuskulatur verschwanden.

10. Gibt es unterschiedlich lange Beine?

Nach Walter Packi kommen diese nur äußerst selten vor. Der optische Eindruck unterschiedlich langer Beine, der häufig von Orthopäden diagnostiziert und fälschlicherweise mit Einlagen therapiert wird, liegt in einem Beckenschiefstand begründet.

Steht das Becken schief, in der Regel durch eine einseitige, muskuläre Störung der Hüftbeugemuskulatur, dann ergibt sich ein anderer Austrittswinkel des Oberschenkelknochens aus der Hüfte und hierdurch der Eindruck unterschiedlich langer Beine. Nachfolgend ist damit eine Ausgleichsskoliose der Wirbelsäule (seitliche S-förmige Krümmung) verbunden. Therapiert man diese Störung an der Hüftbeugemuskulatur, sind beide Beine in den meisten Fällen wieder gleich lang und die Skoliose / Störungen verschwinden.

Diese
Bilder machen den Zusammenhang transparent und verständlich.


11. Wie beweglich sollte man sein?

In der Regel kann man sich an Kindern orientieren, die noch weiche und elastische Strukturen aufweisen. Erst durch einseitige Belastungen der Muskulatur kommt es über Jahre zu Beweglichkeitseinschränkungen, die meist unbemerkt bleiben. Die Folgen werden irgendwann als Schmerz spürbar.

Durch Unfallereignisse kann die Beweglichkeit plötzlich eingeschränkt werden:

Ab einer bestimmten Kraftwirkung wird der Bindegewebsapparat im Muskel (Endomysium) blitzschnell aktiviert, um einer Dehnüberlastung oder einem Zerreißen der Muskelfasern entgegenzuwirken. Dieses Bindegewebe ist um ein Vielfaches stärker als der Muskel selbst. Die Muskelfasern werden unbeweglich und schützen den Körper vor weiterer Bewegung und Verletzung. Diese Blockade löst sich nun leider meist nach dem Unfall nicht wieder von alleine auf, da sie unbewusst reflexgesteuert ist. Sie ist palpatorisch tastbar.Hierdurch kommt es zu Bewegungseinschränkungen, die in den bereits beschriebenen Muskel-Schmerz-Kreislauf münden, die ebenso behandelbar sind.

Das Alter des Patienten spielt bei der Wiederherstellung der natürlichen Beweglichkeit eine stark untergeordnete Rolle. Viel Spass bei Üben!

12. Welche Rolle spielt die geistige Ebene bei der Behandlung?

Die mentale Einstellung ist von großer Wichtigkeit. Die Willkürmuskulatur wird nur das durchführen und sich entsprechend umbauen, was Sie erreichen wollen. Darüber hinaus ist auch die mentale Konfrontation mit dem Schmerz eine Notwendigkeit, diesen auf der körperlichen und geistigen Ebene wieder aufzulösen.

Nichts zuletzt muss – wie bei jeder Krankheit - die innere Bereitschaft zur Gesundung bestehen.

Sollte ein Unfall bei dem Schmerzgeschehen eine Rolle gespielt haben, kommt es bei der Durchführung der Muskelübungen häufig zu einem "Wiedererleben" der Unfallsituation. Dies deutet auf einen mentalen Verarbeitungsprozess hin.

Viele Menschen, die gelernt haben, mit dem eigenen Körper vollbewusst umzugehen, können eine Muskelblockade mit Schmerzen über die Änderung ihrer Empfindung auflösen. Sie lassen die Empfindung des Schmerzes anfangs voll zu und entschliessen sich umgehend zu einer anderen Empfindung, die eine Blockade sofort zum Verschwinden bringt. Die beschriebenen Übungen von Walter Packi arbeiten ähnlich, sehen jedoch oberflächlich betrachtet wie einfache Körperarbeit aus.
Basis ist in allen Fällen u.a. die Konfrontation mit der Bewegungseinschränkung, dem Maximalschmerz und den damit verbundenen Ängsten, die es aufzulösen gilt.

Letzten Endes mündet das eine in das andere:

Eigenverantwortlich das gestörte Gleichgewicht von Körper und Geist wieder herzustellen.
Körperlich spürbar wird dann insbesondere die Entspannung der Muskulatur (Tonussenkung) und die damit verbundene Schmerzfreiheit.

 

 

 

Andere Behandlungen

An dieser Stelle wird der Versuch unternommen, objektiv die Sinnhaftigkeit und die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Therapieansätze herauszuarbeiten, ohne sie vorab ausführlich zu erklären. Hierbei ist wichtig, dass die persönliche Bewertung und Interpretation aufgrund individueller Erfahrungen stark von den Überlegungen Walter Packis geprägt ist, die einen umfassenderen Erklärungsansatz liefern, als viele andere Therapien dies können. Bei der kritischen Überprüfung seiner Thesen wurde festgestellt, dass sich in der medizinischen Fachliteratur häufig Gegensätze und Fehler finden, die die dringende Notwendigkeit von Aufklärung und Umdenken beweisen.

Die vielen Thesen, Theorien und Modelle in der Schmerztherapie müssen auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden (Naturgesetz), um das Wissen von Therapeuten auf eine breitere, ganzheitlichere Basis zu stellen. Denn letztendlich sind es diese Menschen, die schmerzgeplagten Patienten helfen und mit einem relativ kleinen Umdenkprozess sehr große Fortschritte in der Therapie erzielen können. Einmal offen für diesen neuen Denkansatz, erschließt sich dem Einzelnen ein zusammenhängendes Gesamtbild, mit dem er seine Fragen aus der Praxis häufig sogar selbst beantworten kann.

Weiterhin wird im wesentlichen auf chronische Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparates (LWS/HWS) Bezug genommen, wobei ein Transfer auf andere Bereiche sinnvoll und notwendig erscheint.

Die Unterteilung erfolgt hier in
konservative Therapie und Operationen.

Konservative Behandlungen

Unter dem Begriff konservative Therapie verstehen sich alle Methoden, die in der Schmerzbehandlung nicht operativ angewandt werden.

Medikamentöse Therapie:

Es gibt eine Vielzahl von Medikamenten, die mit unterschiedlichen Wirkungsweisen im Körper die Schmerzentstehung unterdrücken(u.a. NSAR, Morphinderivate). Das Gemeinsame an dieser Therapie ist jedoch, dass sie in der Regel den Schmerz als etwas Schlechtes ansieht, den man ausschalten sollte. Jedoch fragt sie nicht und kann nicht beantworten, warum der Schmerz entstanden ist. Dies ist somit keine ursächliche Behandlung, sondern allein symptomatisch – wie häufig in der Medizin.

Folgt man dagegen den Thesen Walter Packis, so ist der Schmerz ein sinnvolles und notwendiges Ereignis. Wenn z.B. beim Auto eine Warnlampe leuchtet, so zerstört man diese nicht – im Gegenteil nutzt man das Signal, um eine Störung zu finden und zu beheben.
Bezogen auf ein Schmerzphänomen bedeutet dies, dass der Körper ein Schmerzbewusstsein gebildet hat, um sich vor einem Schaden zu bewahren, den er sich sonst selbst zufügen könnte – oder um uns auf einen Schaden /Störung aufmerksam zu machen. Letzteres insbesondere im Fall von äußerer Gewalteinwirkung, wie Verletzungen.

Im Falle von Rückenschmerzen (Hexenschuss) liegt beispielsweise das Grundproblem auf der Vorderseite des Körpers (Bauchmuskulatur). Diese ist ihrer freien Beweglichkeit so eingeschränkt, dass eine ruckartige Dehnbewegung (Aufrichten/Stehen) schlagartig den Bindegewebsapparat innerhalb dieses Muskels aktiviert.

Um sich vor der Selbstverletzung/ Überbelastung zu schützen, schießt logischerweise ein Schmerz in den muskulären Gegenspieler (großer Gesäßmuskel) ein, denn genau dieser Muskel könnte den Bauchmuskel durch seine Zugkraft verletzen oder eine Überbelastung verursachen. Gemeinsam ist Hexenschuss-Patienten der nach vorne geneigte Oberkörper, eine Aufrichtungsbewegung verursacht Schmerzen.

Der Schmerz hat somit seinen Sinn in dem Schutz vor einer gegen den eigenen Körper gerichteten Kraft und ist insofern wichtig und notwendig. Schaltet man diesen Selbstschutzmechanismus nun medikamentös aus, kommt es im günstigsten Fall durch die dann momentan schmerzfreie Durchführung der Gesamtbewegung auch dauerhaft zur Besserung. Die Grundursache, die in ihrer Funktion gestörte Bauchmuskulatur, wird jedoch nicht therapiert. Meist häufen sich deshalb Hexenschüsse zunehmend. Nach gewisser Zeit kommt es zu oftmals größeren Schmerzproblemen, die dann medikamentös nicht mehr in den Griff zu bekommen sind.

Medizinische Kräftigungstherapie:

Insbesondere bei Schmerzen im Bereich der Hals- und Lendenwirbelsäule wird häufig eine Kräftigung der Muskulatur empfohlen. In speziellen Studios wird dies als "Medizinische Kräftigungstherapie" angeboten und von Krankenkassen teilweise erstattet. Nach Walter Packis Thesen ist jedoch nicht mangelnde Kraft ursächlich für das Entstehen von Schmerzen. Dies erscheint logisch betrachtet man kleine Kinder/Jugendliche die in der Regel wenig Kraft, aber keine Schmerzen haben. Chronische Schmerzen entstehen meist erst nach einigen Jahren einseitiger Tätigkeiten, wie z.B. dem Büroschreibtischalltag.

Hinzu kommt, dass in den Rückenschulen und Fitnessstudios häufig die Rückenmuskulatur gekräftigt werden soll. Diese ist jedoch bei hauptsächlich sitzender Tätigkeit relativ stark und entsprechend weitumfassend beweglich, da sie den Oberkörper/ Kopf permanent in einer Vorneigung halten muss.
Der Rücken ist somit in der Praxis oft der besttrainierte Teil des Menschen und nicht gestört.

Die Bauchmuskulatur wird meist zusätzlich trainiert, in einer Position (sit ups), die dem Sitzen am Schreibtisch stark ähnelt. Die ohnehin verkürzte Bauchmuskulatur – im Sitzen bei ca. 1/3 ihrer Maximallänge - wird durch das Krafttraining weiter fehltrainiert und niemals auf der gesamten Muskellänge belastet.

Sollte man zusätzlich nachts noch mit angezogenen Beinen schlafen, hat man seinen Körper "erfolgreich" auf permanent Sitzen konditioniert. Probleme beim Aufrichten als Folge sind dann nicht weiter verwunderlich (Hexenschuss/Ischialgie).

Im Nackenbereich gilt dies analog: Das Training an Geräten führt in der Regel zur weiteren Verkürzung und Verhärtung der Muskeln. Die Beobachtung von "Extrem-Bodybuildern" zeigt die hierdurch verursachten Bewegungseinschränkungen im Alltag recht deutlich.

Das unangenehme Überspringen von Sehnen (z.B. am Ellenbogen) tritt beim Gerätetraining häufig auf und wird fälschlicherweise als normal betrachtet.

Spätestens seit Leonardo da Vinci und seinem Schema della Proportione Bild ist bekannt, dass der Körper weder kreisförmige noch lineare Bewegungen durchführen kann. Es sind immer leicht geschwungene Bewegungen, die sich aus dem Zusammenspiel und dem geometrischen Verlauf der einzelnen Muskelfasern ergeben.

Im Krafttraining an Maschinen dagegen wird der Körper in Bewegungsbahnen gezwungen, die unnatürlich und einseitig sind. Der so umtrainierte Körper bietet einen idealen Nährboden für Schmerzursachen aller Art, die dann durch ein Ereignis wie beispielsweise einen Unfall ausgelöst werden und anschließend therapeutisch nicht als primär muskulär verursacht identifiziert werden.

Dennoch ist dieser Therapieansatz oft wirksam, obwohl die Probleme meist nur hinausgeschoben werden. Grund hierfür ist die generelle Durchführung von Bewegung, die entsprechende Regulationsprozesse im Körper im Sinne einer Selbstheilung bewirken. Hinzu kommt das "Zutrainieren" der Muskeln, wodurch die Gesamtbeweglichkeit abnimmt und der Organismus mehr und mehr auf wenige, unsanftere Bewegungsmuster reduziert wird.

Da jedoch eine bestimmte Bewegung den Schmerz auslöst, kann auch eine "gestählte" Minderbeweglichkeit zur Schmerzfreiheit führen.

Um dauerhaft schmerzfrei zu bleiben, muss eine in Ruhe weiche und möglichst auf der Gesamtlänge trainierte Muskulatur das Ziel sein, wie sie bei Kindern meist noch anzutreffen ist. Verletzungen wie Knochenbrüche, Zerrungen, Verstauchungen etc. sind damit auch deutlich seltener, da eine längere Wegstrecke zur Verfügung steht, um eine äußere Krafteinwirkung abzufangen.

Wesentlich besser ist das Training in natürlichen Bewegungsbahnen, wie insbesondere das Laufen und Rennen sie bietet. Ein nahezu perfekter Ausgleich für den Büromenschen.

Physiotherapie

Obwohl die Physiotherapie als der Schlüssel zur Schmerzfreiheit gesehen werden kann, wird sie in der Praxis leider häufig falsch angewendet. Folgt man den neuesten biokinematischen Erkenntnissen, so kann die Physiotherapie in der bislang praktizierten Form meist nicht besonders sinnvoll sein: Sofern die Schmerzursache und der Ort des Schmerzes voneinander getrennt und in unterschiedlichen Muskeln anzutreffen sind, ist eine Therapie am Schmerzort falsch!

Jeder Versuch der Manipulation an dieser Stelle, sei es durch Krankengymnastik oder manuelle Therapie, wird eher Zufallsreaktionen des Körpers auslösen als im tatsächlichen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zu arbeiten.

Die Übungen in der Krankengymnastik sind oftmals weder dazu geeignet, die Muskulatur wieder auf Länge und Beweglichkeit zu trainieren, noch entsprechend auf der Gesamtlänge zu kräftigen. Aussagen wie "Ihre Muskeln sind wie Pudding" beziehen sich ebenfalls auf ein Missverständnis einer optimalen Muskulatur, die in Ruhe immer weich sein sollte.

Koordinationstraining sollte ein Training auf der gesamten, vollumfänglichen Bewegungsbahn sein und sich nicht auf die Wahrnehmung einer vergleichsweise kleinen Bewegung konzentrieren. Besondere Beachtung verdienen hierbei die Muskelketten, die den Körper von oben bis unten durchlaufen.
Chiropraktik greift zu kurz, denn hier wird in der Regel am Ende der Wirkungskette – z.B. im verschobenen Wirbel – angegriffen, anstatt dauerhaft den Grund für die Verschiebung der Wirbelkörper zueinander durch entsprechende zugentlastende Muskeltherapie zu beseitigen. Es ist im übrigen bekannt, dass die Chiropraktik insbesondere bei alten Menschen nicht ganz ungefährlich ist. Eine Muskeltherapie dagegen ist sanfter und kann dementsprechend bis ins hohe Alter risikolos durchgeführt werden.

Auf der Webseite www.nostretch.de wird ausführlich beschrieben , dass auch Stretching als therapeutische Maßnahme nicht funktioniert.

Die Methode von Walter Packi ermöglicht eine tatsächliche Verlängerung der Muskeln durch Umbauprozesse und die Auflösung ihrer Fehlfunktionen innerhalb kurzer Zeit. Im wesentlichen ist es Physiotherapie, nur anders – fast könnte man sagen 180 Grad entgegengesetzt – angewandt.

Man sollte nicht vergessen, dass der Körper über enormes Selbstheilungspotential verfügt, welches unabhängig von der Form der Therapie genutzt wird, solange er nicht mit starken Schmerzmitteln betäubt ist. Somit wird auch eine "falsche" Physiotherapie manchmal zum Erfolg führen. Die Erfolglosigkeit der bisherigen Therapie in schweren Fällen zeigt die tägliche Praxis. Dagegen kann die Integration der Thesen Walter Packis in die Ausbildung und Praxis der Physiotherapeuten - durch einen vergleichsweise kleinen Umdenkprozess - sehr vieles zum Wohle der Patienten verändern. Erfreulicherweise ist dieser Prozess schon im Gange.

Sonstiges:

Viele andere Methoden arbeiten mit Kälte, Wärme, Magnetfeldern, Energiearbeit, Akupunktur sowie Psychotherapie. Der vereinfachende Lösungsansatz, warum dies alles helfen kann, ist im Einfluss auf den Muskeltonus und/oder der Auslösung geeigneter Regulationsmechanismen des eigenen Körpers (Balancierung) zu suchen.

Die Anspannung des Körpers und dessen Muskeltonus, der einen direkten Einfluss auf das Schmerzgeschehen hat, werden durch vielerlei Faktoren bestimmt. Dies können psychische Eindrücke sein wie Stimmungslage, Angespanntheit, aber auch äußere Einflüsse wie z.B. Kälte, Wärme oder Monatsbeschwerden bei Frauen. Gelingt es nun durch geeignete Maßnahmen den Muskeltonus zu senken und dadurch eine Entspannung der Muskulatur zu erreichen, hat man einen direkten Einfluss auf das durch die Muskulatur hervorgerufene Schmerzphänomen. Der Einfluss reicht hier von Schmerzreduktion bis hin zu dauerhafter Schmerzfreiheit. In vielen Fällen leider meist wiederum nur symptomatisch, bis durch ein neuerliches Ereignis das bekannte Schmerzproblem wieder auftritt. Im Idealfall wird jedoch im Körper eine Autoregulation im Sinne einer Selbstheilung eingeleitet, bei der auch die tatsächliche Schmerzursache (geometrische Fehltrainierung der Muskelspieler und Gegenspieler) verschwindet.

Jeder Betroffene muss selbst feststellen, ob die bei ihm angewandte Therapie dauerhaft hilfreich ist. Sollte sich zeigen, dass nur eine Linderung und keine Heilung erreicht wird, muss nach einem anderen, erfolgreicherem Weg gesucht werden. Hierzu ist eine Offenheit auch gegenüber neueren, ganzheitlicheren Behandlungsansätzen notwendig, die häufig von den etablierten Ärzten und Therapeuten noch nicht unterstützt werden.

Oder wie Jean Paul Pianta es ausgedrückt hat:

"Denn.......................Schmerzen sind vielleicht gar keine Feinde, die es um jeden Preis zu besiegen gilt. Sie sind vielmehr das Mittel, dass der menschliche Körper besitzt, um uns eine Botschaft zu übermitteln in der es um Gesundheit und Leben gehen könnte...."

Operationen

Aufgrund fehlender Erfahrungen mit den zahlreichen diversen Operationstechniken werden die verschiedenen Methoden an dieser Stelle nicht weiter beschrieben und erläutert.
Die Meinungen in der Ärzteschaft, bei welchem Krankheitsbild eine Operation notwendig ist, gehen weit auseinander:
Beispielsweise lehnt Walter Packi nach der mathematischen Analyse der menschlichen Bewegungslehre einen solchen Eingriff, um Schmerzen auszuschalten, in der Regel aus folgendem Grund ab:

Orthopädische Operationen verändern, im Gegensatz zu unfallchirurgischen Operationen die Geometrie des Körpers. Während in der Unfallchirurgie - ehemals Wiederherstellungschirurgie genannt - möglichst achsen- und winkelgerecht wiederhergestellt wird, was die Natur vorgegeben hat, verfolgt die Orthopädie das gegenteilige Ziel. Achsen und Winkel werden mit Absicht verändert, Muskeln werden verlagert, Bandstrukturen werden verlegt. Der Körper als mechanisch selbstorganisierendes System wird in seiner Funktionalität dadurch mehr oder weniger empfindlich gestört. Obwohl in der Orthopädie bisher keine Vorstellung darüber existiert, nach welchen gesetzmäßigen Kriterien die Mechanik des Körpers aufgebaut ist, ist die Orthopädie gleichwohl der festen Überzeugung, diese Mechanik des Körpers "verbessern" zu können. X-Beine und O-Beine werden "begradigt", Schenkelhälse werden abgeflacht oder aufgerichtet, Kinder werden vorsorglich umgestellt. Dies alles im Sinne der Schmerztherapie. Grundlage ist ein Denken, welches die Statik des Menschen im Blickfeld hat, wobei vergessen wird, dass der Mensch den Gesetzen der Statik überhaupt nicht unterliegt. Denn der Mensch bewegt sich, solange er lebt. Zur Ruhe, also in die Stase, kommt er erst mit dem Tode. Ein Gebäude untersteht den Gesetzen der Statik. Eine bewegte Struktur, wie der Mensch oder ein Auto, unterliegt den Bewegungsgesetzen, also der Kinematik. Wenn ein bewegter Körper nach den Gesetzen der Nichtbewegung behandelt wird, dann wird er geschädigt und nicht gebessert. Eine Wiederherstellung der ursprünglichen physiologischen Funktionen ist nicht mehr möglich. Schmerzen und/oder funktionelle Lähmungen bleiben Dauerzustand.

Chirurgen, die sicherlich mehrheitlich ihr Handwerk gut verstehen, werden naturgemäß schneller zu einer Operation raten, obwohl sie vielleicht das Schmerzgeschehen nicht verursachungsgerecht interpretieren.
Selbst Ärzte, die der biokinematischen Behandlungsmethode von Walter Packi skeptisch gegenüber stehen, sollten nach den Ausführungen im Deutschen Ärzteblatt (am Beispiel der lumbalen Schmerzen) grundsätzlich nur in seltenen Fällen operieren:

A1474 (56) Deutsches Ärzteblatt 93, Heft 22, 31. Mai 1996 Das Lumbalsyndrom - Prävention, Diagnostik und Therapie

Nur zehn Prozent der Lumbalsyndrome mit nachgewiesenem Bandscheibenvorfall (also nicht 10% aller Rückenschmerzen) bedürfen der operativen Behandlung durch Entlastung.
Eine absolute Indikation zur - in der Regel offenen - Dekompression besteht beim Cauda equina- Syndrom mit Schließmuskellähmung und bei akuten Paresen funktionell wichtiger Beinmuskeln. Eine relative Indikation wird beim therapierefraktären und beim chronisch rezidivierenden Wurzelsyndrom mit segmentalem Schmerzband in Verbindung mit entsprechendem Leidensdruck gesehen. Unbedingte Voraussetzung ist immer ein mit dem klinischen Bild zusammenpassender tomographischer Befund mit etagen- und seitenkonformem Kompressionsnachweis durch Bandscheibe, Knochen oder beide. Zur Vermeidung postoperativer Narbenbildung, die ebenso wie segmentale Instabilität ein Postdiskotomiesyndrom bewirken kann, sind bei der konventionellen Operation mikrochirurgische Methoden vorzuziehen. Narbenbedingte chronischrezidivierende Schmerzen neigen auch nach minutiöser Narbenresektion zum Rezidiv; deshalb muss postoperative Narbenbildung als eines der am wenigsten kalkulierbaren Risiken auch bei schonender offener Periduralchirurgie angesehen werden. Demgegenüber ist schmerzhafte Instabilität nach Diskotomie, im Rahmen der Diskopathie und aus anderen Gründen, sofern sie als solche diagnostisch eindeutig verifiziert ist, der monosegmentalen Spondylodese gut zugänglich.

Die so genannten perkutanen Bandscheibenoperationen setzen als intradiskale Maßnahmen ein intaktes hinteres Längsband voraus. Deshalb sind freie Bandscheibensequester und voroperierte Bewegungssegmente hierfür ungeeignet, desgleichen die knöcherne Lumbalkanalstenose.

Am günstigsten ist die Prognose bei eindeutigen Wurzelzeichen und ausschließlich diskogener Kompression. Im übrigen gelten die gleichen Indikationskriterien wie bei der konventionellen Operation. Eine abschließende Bewertung der minimalinvasiven Behandlungsmethoden ist derzeit noch nicht möglich. In Deutschland stellen 10 - 20% aller Bandscheibenoperierten Patienten Rentenanträge; nach Zweit- oder Mehrfacheingriffen ist der Anteil doppelt so hoch.

Die Notwendigkeit eines Eingriffes bei Ausfallerscheinungen, sollte durch die Überprüfung, ob eine muskelverursachte Lähmung (myogen) oder eine neurologische Lähmung vorliegt, genau geprüft werden. Falschdiagnosen sind leider nicht selten.

Auch juristisch gesehen ist es erforderlich zu klären, ob eine Operation wirklich die bessere Alternative ist. So schreibt der Bundesgerichtshof (BGH VI ZR 100/99 Quelle: NJW 2000, 178) zu dem Thema:


Wer operiert wird, ohne vorher über eine alternative Behandlungsmethode ohne Skalpell informiert worden zu sein, kann durchaus einen Anspruch auf Schmerzensgeld haben. Die Klägerin war 1990 wegen Problemen mit der Bandscheibe in die Neurochirurgie eines Krankenhauses eingeliefert und war mit Erfolg eine Woche zunächst medikamentös behandelt worden. Später empfahlen die behandelnden Ärzte der Frau eine operative Behandlung. Allerdings, ohne sie vorher über alternative Behandlungsmöglichkeiten ohne Messer informiert zu haben. Erst nach der Operation erfuhr die Frau davon - und klagte. Mit Erfolg. Der Bundesgerichtshof hob die ablehnenden Entscheidungen auf. Grundsätzlich müsse ein Patient aufgeklärt werden, wenn es mehrere medizinisch indizierte und übliche Behandlungsmethoden mit unterschiedlichen Risiken und Erfolgschancen gebe.

Zur Wahrung des Selbstbestimmungsrechts müsse dies selbstverständlich auch dann gelten, wenn eine Operation durch eine konservative Behandlung vermieden werden könne.

Operationen - Fazit

Die Entscheidung für oder gegen eine Operation, mündet häufig in eine Art Glaubenskrieg, den der betroffene Patient meist selbst nicht bewerten kann. So werden von den verschiedenen Ärzten unterschiedliche Argumente und Methoden vorgezogen. Bei genauerer Analyse stellt der Betroffene dann meist Widersprüchlichkeiten in den Ausführungen fest. Ebenfalls wird die Ursache der Schmerzen in der Regel nicht beschrieben. Stattdessen wird von Veranlagung, Degeneration, oder psychogenen Faktoren gesprochen. Der Patient sollte deshalb genau prüfen und intuitiv versuchen, den für sich bestmöglichen Weg zu finden.
Es erscheint ungefährlicher und erfolgsversprechend, vor einer Operation alle konservativen Methoden, Bewegung und die Übungen und Thesen von Walter Packi in die Entscheidungsfindung einzubeziehen. Sich Körperteile operativ entfernen zu lassen, ist dagegen meist ein irreversibles Vorgehen.

Im Extremfall bedeutet dies einen jahrelangen Rechtsstreit über Frühverrentung oder ärztliche Kunstfehler. Selbst bei vermeintlich harmlosen Eingriffen, wie dem RACZ-Katheter, gibt es erste Verfahren wegen schwerer Infektionen und Zerstörung von wichtigen Muskelteilen durch die eingespritzten Medikamente. Oftmals teure minimalinvasive Verfahren sehen weniger gefährlich aus, können jedoch im Einzelfall den gleichen Schaden anrichten.

Bei der Vorstellung der unterschiedlichen Methoden durch Ärzte in den Medien sollte der Patient in Betracht ziehen, dass auch wirtschaftliche Interessen die Darstellungen prägen können. Es existiert ein Widerspruch zwischen den von Ärzten publizierten Erfolgsquoten und den Berichten der Betroffenen. Häufig fehlen Langzeitstudien ganz.

Operationen können oft kurzfristig helfen, da beispielsweise die Anästhesie krampflösend wirkt oder eine Körperstruktur etwas mehr Bewegungsspielraum bekommt. Mittelfristig treten die Beschwerden jedoch häufig wieder auf, da die wirkliche Schmerzursache nicht therapiert wurde.

Die Therapie indirekter, geistiger Ursachen des Schmerzgeschehens, wie beispielsweise
Unfalltraumen, tritt im Gegensatz zu Bewegungstherapien ebenfalls in den Hintergrund.

Eigene Erfahrungen

Seit Ende 2001 traten häufiger sporadische Rückenschmerzen auf, die ich nicht zuordnen konnte. Ich empfand diese Schmerzen jedoch nicht als starke Einschränkung und trieb weiterhin Sport.

Beim Skifahren im März 2002 stürzte ich abseits der Piste ca. 4 m in die Tiefe und überschlug mich dabei mehrfach. Nach diesem Sturz hatte ich sehr starke Rückenschmerzen. Als nach einigen Tagen immer noch keine Besserung eintrat, konsultierte ich einen Orthopäden, der mir nach einem unauffälligen Röntgenbefund zunächst einige Spritzen in den Rücken verabreichte und mir zusätzlich das Medikament Voltaren verschrieb. In den darauffolgenden Wochen stellte sich jedoch entgegen dem Verlauf eines "normalen" Hexenschusses keine Besserung ein. Die Schmerzen, die bislang nicht in den Oberschenkel ausstrahlten (alleiniges LWS-Syndrom), zogen nun bis in die rechte Wade, wo sie so stark waren, dass ich weder stehen noch liegen konnte. Sitzen war jedoch meist schmerzfrei möglich.

Während der orthopädischen Behandlung wurden mehrfach Spritzen in den Lendenwirbelsäulen-Periduralraum verabreicht, die keinerlei Linderung brachten.
Aufgrund der beschriebenen Symptomatik veranlasste mein Orthopäde im Mai 2002 eine Kernspin-Aufnahme, die einen starken, medialen Bandscheibenvorfall zwischen den Lendenwirbelkörpern vier und fünf zeigte (Bild).

Die Simulation eines Bandscheibenvorfalls findet sich
hier als Video.

Als Konsequenz dieser Diagnose wurde eine konservative Therapie mit 3 x wöchentlicher, klassischer Krankengymnastik empfohlen. Auch diese Maßnahme, verbunden mit Akupunktur, führte zu keinerlei Linderung. Parallel konsultierte ich Neurologen und andere Orthopäden, um das Ausmaß der Krankheit besser abschätzen zu können. Sie waren alle mehr oder weniger mit Ihrem Latein am Ende und bereiteten mich mental auf eine unumgängliche Operation vor. Leistungssport könnte ich – so die Aussage eines Professors für Neurologie in München - in Zukunft vergessen und beim Schuhe anziehen müsste ich mich zukünftig immer hinsetzen !

Auf der Suche nach Behandlungsalternativen stieß ich auf die medizinische Kräftigungstherapie (MKT, Kieser), die ich nach Rücksprache mit meinem Orthopäden erprobte:

Die dort vertretende These, dass nur ein schwacher Rücken Schmerzen macht, war anfangs einleuchtend, aber für mich als sportlich relativ gut trainierten Menschen grundsätzlich fraglich. Im Fitness-Studio angekommen, wurde ich von dem hauseigenen Orthopäden untersucht.

Er war sehr zuversichtlich, dass ich nach Abschluss des Trainings wieder topfit und schmerzfrei sein würde. Meine Kraft in der wirbelsäulennahen, autochtonen Muskulatur erhöhte sich in Verlauf der insgesamt 18 Sitzungen um ca. 50-80 %, ohne jedoch eine Schmerzreduktion zu bewirken. Ich wurde darauf hingewiesen, dass die Rückenmuskulatur im Vergleich zu anderen Patienten noch immer zu schwach sei und ich weiter trainieren müsste. Zweifel kamen in mir hoch, umso mehr als ich von einer anderen Therapeutin erfuhr, dass erst ein Patient in den letzten Jahren bei der Hauptübung noch mehr Gewicht nach hinten drücken konnte als ich!

Auf meine Rückfrage beim dortigen Orthopäden wurde mir mitgeteilt, dass eine Operation wohl nun doch unausweichlich wäre. Aussagegemäß hatte er sich selbst diesbezüglich schon zweimal operieren lassen. Jeder Betroffene sollte sich hierzu selbst eine Meinung bilden.

Mein Vertrauen war nach all den vergeblichen Versuchen erschüttert. Ich begab mich – trotz der Empfehlung von mittlerweile vier Orthopäden und zwei Neurologen für eine Operation - weiter auf die Suche nach einer Therapie, die nichtoperativ zur vollständigen Genesung führen sollte.

Aus Gründen, für die ich sehr dankbar bin, kam ich durch das Internet auf das Bandscheibenforum Lumed.de. Hier beschrieb Lutz Kern eine Schmerztherapie des Freiburger Arztes Walter Packi, die ich sehr interessant und logisch fand.

Nach einigen Rückfragen und stöbern im Forum, beschloss ich vor einer Operation (Kostenvoranschlag EUR 11.000) einen Besuch bei seinem Institut für Biokinematik in Freiburg zu wagen, da ich durch meine Erfahrungen und Bücherstudien erhebliche Zweifel an der Stimmigkeit der bisher zugrunde gelegten medizinischen Theorie hatte.

Institut für Biokinematik, Juli 2002 (ca. vier Monate nach Beginn der Schmerzen):

Nach meiner Ankunft am Montagmorgen erfolgte eine einstündige Behandlung durch Walter Packi, die sich insbesondere auf die Anamnese vergangener Unfälle (beispielsweise Bänderrisse) und die genaue Schmerzlokalisation bezog. Hinzu kam die Betastung (Palpation) von verschiedenen Punkten, die teilweise sehr schmerzhaft auf Druck reagierten. Anschließend bekam ich symmetrisch ca. 10 Spritzen mit einem Betäubungsmittel (Scandicain 1 %) zur Reflexauslösung und Entkrampfung in die entsprechenden Muskeln. Der in meinem Fall wichtigste Muskel
Iliopsoas konnte von Herrn Packi anatomisch leider nicht erreicht werden. Grund hierfür war die über Monate in der Krankengymnastik und bei Kieser auftrainierte Bauchmuskulatur.

Diese führte zu einer starken Abwehrspannung, sobald man versuchte diesen Muskel, der durch den Skiunfall in eine Art "Krampfzustand" verfallen war, palpatorisch durch die Bauchdecke zu erreichen. Mir wurde erklärt, dass ich selbst in den nächsten Tagen diesen Muskel durch geeignete Übungen umtrainieren müsste. Diese Übungen erlernte ich in der anschliessenden Physiotherapiestunde, die einmal täglich stattfand.


In den nächsten Tagen trainierte ich relativ ehrgeizig im Stundenrhytmus insgesamt sechs Übungen, die auf dieser Webseite unter
Übungen gezeigt werden. Immer wenn zusätzlich Zeit war, begab ich mich zu einem eigens präparierten Baumstamm, um mich nach hinten ins Hohlkreuz in den Maximalschmerz hinein überzulegen. Aus dieser Position wird dann gegen den Widerstand einer Assistenzperson die Muskelkette angespannt und Gegendruck ausgeübt.

Diese Übung empfand ich als äußerst schmerzhaft, aber auch äußerst effektiv, weil man merkte, wie man mm-weise die vordere Bauchmuskulatur durch die Überreizung ihrer Spannungsrezeptoren lockerte.

Bereits am zweiten Tag verschlimmerten sich meine Beschwerden enorm und am dritten Tag waren sie fast unerträglich. Auf meine Besorgnis hin wurde mir erklärt, dass diese Erstverschlimmerung ein gewünschter Effekt ist, der auf den Umbau der Muskulatur und das Ansprechen auf die Therapie schließen lässt. Obwohl ich skeptisch war, vertraute ich auf die Erfahrungen der Therapeuten und übte fleißig weiter.

Nach nur fünf Tagen waren die Schmerzen fast komplett verschwunden.
Der Aufwand hatte sich für mich gelohnt ! Ich war zwei Wochen später komplett schmerzfrei und entsprechend gut gelaunt. War mir doch eine Operation mit ungewissem Ausgang erspart geblieben. Sport war uneingeschränkt wieder möglich.

Klassische Krankengymnastik

Nachdem ich von der Selbstregulation des Körpers durch die Packi-Therapie begeistert wurde, war ich fest entschlossen , meinen schmerzfreien Körper beweglicher zu trainieren. Deshalb beschloss ich, die Hilfe einer Krankengymnastin in Anspruch zu nehmen, die auf manuelle Therapie spezialisiert war.

Dies war ein großer Fehler, den ich sehr bereuen sollte !

In einer nur 45 min. Sitzung machte die Krankengymnastin mit mir 1-2 Übungen, die für meine gerade erst neu umtrainierte Bauch- und Hüftbeugemuskulatur absolutes Gift waren. Ich sollte beispielsweise im Sitzen den Muskel Iliopsoas anspannen, um das Gesäß nach hinten zu drücken und ein leichtes Hohlkreuz erzeugen (Entenbürzel).

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass dies ein Training in der maximalen Verkürzung eines Muskels war. Somit der Gegensatz zu den Packi-Übungen, die in der maximalen Amplitude eines Muskels eine Anspannung bewirken. Verbunden mit Dehnübungen war das Ergebnis ein rechtsseitiger Krampf, der am nächsten Tag dazu führte, dass ich einen großen Beckenschiefstand mit optisch unterschiedlich langen Beinen hatte und quasi bewegungsunfähig war. Extremste Schmerzen wie ich sie noch niemals hatte !

Leider konnte ich arbeitsbedingt nicht sofort nach Freiburg zu Walter Packi fahren und musste die Schmerzen drei Wochen aushalten. Selbst konnte ich mir zum damaligen Zeitpunkt nicht helfen, da der Versuch von Übungen aufgrund der Schmerzen fehlschlug. Heute weiß ich, dass ich es geschafft hätte, wenn die Angst vor dem Schmerz nicht so groß gewesen wäre. Auch ein Besuch beim Orthopäden, der mir zumindest ein wenig Lockerung verschaffen sollte, schlug fehl. Er spritze mir kristallines Cortison, von dem mir Walter Packi später berichtete, dass mein Körper einige Wochen benötigen würde, um den dadurch verursachten Schaden wieder zu reparieren.

Ich beschloss deshalb, erneut nach Freiburg zu fahren. Aufgrund zwischenzeitlicher Medienberichte über diese Behandlungsform war es dort im November 2002 sehr voll und ich konnte leider nur zwei Tage bleiben.

Bei meinem Termin mit Walter Packi erfuhr ich, dass Rückschläge wie meiner nicht selten seien, meist in Verbindung mit nochmaliger, klassischer Krankengymnastik. Ich war zwar schmerzfrei entlassen worden, aber noch nicht beweglich genug gewesen, um einer Falschmanipulation von Außen (durch Krankengymnastik) standzuhalten.

Durch eine recht schmerzhafte Übung, in der ich bis an die Grenzen meiner Belastbarkeit ging, wurden mir die Schmerzen zum Grossteil wieder genommen und ich erlangte einen Teil meiner Beweglichkeit zurück.

Da ich jedoch durch die konventionelle Physiotherapeutin richtig ins Aus geschossen war, dauerte die anschließende Heilung mehrere Wochen, in denen ich die Zusammenhänge zwischen Schmerz und Muskeln sehr gut herausarbeiten und verifizieren konnte.

Bei meinen Übungen erhielt ich von dem Rolfing Therapeuten Robert Schleipp (www.somatics.de) Unterstützung, der die Thesen Walter Packis kannte und dem ich aufgrund seiner langen Therapieerfahrung an Muskeln und Faszien vertraute.
Wir konnten so gemeinsam das Ursache- / Wirkungsprinzip zumindest meiner Schmerz-problematik verstehen.

Alles im Leben ist doch für irgendetwas gut !!!

Inwieweit die Cortisonspritzen des Orthopäden den Heilungsprozess verzögerten, kann ich nicht beurteilen. Die erwähnten Schäden sollten jedoch eine Mahnung für jeden Betroffenen und Therapeuten sein.

In meinem Fall wäre der rund dreimonatige Gesundungsprozess auf wenige Wochen verkürzt worden, wenn ich die Packi-Übungen noch konsequenter und schmerzhafter durchgeführt hätte. Sicherlich ist jeder Körper individuell, von mir kann ich jedoch sagen, dass erst die absolute Überreizung der Muskelrezeptoren – verbunden mit großem, kurzzeitigem Schmerz – den Durchbruch gebracht hat. Es dauerte dann nur ein paar Tage, bis die Taubheitsgefühle in den Zehen und die Schmerzen vergingen. Wesentlich war hierbei der Muskel Iliacus, den ich gegenüber dem Muskel Psoas aufgrund einer leichten Übungsmodifikation nicht richtig umtrainiert hatte.

Mit meinem heutigen Wissen und Körperbewusstsein wäre ich vermutlich in wenigen Tagen gesund geworden. An diesem Erfahrungsprozess möchte ich nun andere Betroffene gerne teilhaben lassen. Schmerzen treten heute nur noch als kurzzeitiger Muskelkater auf, da ich regelmäßig meine Beweglichkeit weiter verbessern möchte und mich nun auch anderen Muskelgruppen (z.B. Hals) zuwende. Es versteht sich von selbst, dass ich beim Sport nun natürliche Bewegungsabläufe bevorzuge und kein Fitnessstudio mehr besuchen werde. Sport ist wieder uneingeschränkt schmerzfrei möglich.

In diesem Zusammenhang möchte ich mich bei allen Leuten bedanken, die sich für mich engagiert haben und die von ihren Erfahrungen mit dieser Therapieform entgegen vieler Widerstände und Verleumdungen berichten.

Meine Kernspin Verlaufskontrolle zeigt, dass der Bandscheibenvorfall praktisch verschwunden ist. Dies ist ein Ergebnis der neuen Beweglichkeit, die es der Bandscheibe ermöglicht, ihre zugewiesene natürliche Position wieder einzunehmen. Obwohl für viele sicher beeindruckend, ist dies ist aber nur ein Nebeneffekt, da der Zusammenhang zwischen Schmerz und Bandscheibe nicht kausal gegeben ist ! Im Prinzip ist die Bandscheibe bei den Schmerzen unbeteiligt. Eine Vorwölbung oder ein Vorfall verweist in erster Linie auf eine hohe Zugspannung durch einen verkürzten Muskel und ist das Ende der Verursachungskette.

Hierzu findet sich eine Studie in einem Artikel des
New England Journal of Medicine.

Wichtig erscheint, dass Walter Packis Aussage "Der Schmerz ist nicht am verursachenden Muskel, sondern logisch nachvollziehbar an dessen Gegenspielergruppe" bei mir absolut richtig war – dieser Gedanke ist wohl revolutionär in der Medizinwissenschaft!

 

Bilder:

 

Hexenschuss

 

 

Kontakt:

Dirk Ohlsen
mail@holistische-medizin.info

 

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